Spuren

Wir alle hinterlassen unsere Spuren. Unscheinbar, flüchtig oder prägend. Wir folgen vorgestampften Pfaden, gefestigten Wegen oder ausgebauten Strassen. Doch manchmal verlassen wir begangene Wege und hinterlassen ganz neue, frische Spuren. Wir wagen uns ins Unbekannte, bewältigen Unsicherheit, Hindernisse und manchmal auch Gefahren. Doch wer weiss, wenn wir Glück haben kommen wir dabei an bei uns selbst.

Mit diesem Projekt möchte ich nicht nur den Umbau unseres Buses in ein Reisemobil dokumentieren. Ich möchte Gedanken die mir auf diesem Weg begegnen festhalten und teilen.

Ich bin kein Schriftsteller, kein Meister Blogger, kein Poet oder Gelehrter; ich bin auch kein Profi Bus-Ausbauer oder Handwerker-König. Ich bin Reisender, Suchender, einfach neugierig und kenne noch kein Ziel. Ich spüre den Drang nach mehr Freiheit, nach mehr Selbstbestimmung und Unabhängigkeit. Und ich bin Papa aus ganzem Herzen, weshalb dieser Umbau von Anfang an ein „Papa-Sohn-Projekt“ ist und ich mich schon jetzt auf die bereichernde Perspektive aus Kinder-Augen freue.

Mercedes-Benz 310

Mit dem Kauf unseres Mercedes-Benz 310 (im Moment noch namenlos) habe ich mir einen Traum erfüllt. Schon seit über 10 Jahren war dieses Modell als potentieller Reisebus in meinem Kopf, doch irgendwie war nie der richtige Zeitpunkt oder ich hatte auch einfach nicht den Mut diesen Traum in die Realität umzusetzen.

Die Robustheit, das Fehlen von zu viel Elektronik und die für uns ideale Grösse, waren neben dem schönen und ausgeglichenen äusseren Erscheinungsbild, ausschlaggebend. Zudem sind Reisende auf der ganzen Welt mit diesem Modell unterwegs und bei Problemen lässt sich anscheinend immer jemand finden, der sich damit auskennt.

Als ein interessantes Angebot reinkam, habe ich diverse Abklärungen vorgenommen, wobei mich zwei Aspekte besonders beschäftigt haben.

Damit wir auf Reisen überall durchkommen, habe ich ursprünglich auf einen Bus mit 4×4 gehofft. Da diese aber sehr schwer zu bekommen sind, begann ich zu recherchieren und fragte auch bei einigen Reisenden nach, wie die Erfahrungen ohne Allrad bzw. Differenzialsperre sind. Dabei bin ich, für mich selbst überraschend, zur Erkenntnis gekommen, dass viele auch ohne 4×4 gut unterwegs sind. So unterscheidet sich anscheinend teilweise einfach der Aufwand, mit dem man ans Ziel kommt. Also ob man mit keiner (Allrad), einer (Differenzialsperre) oder zweier Schneeketten den Berg erklimmt. Beruhigt hat mich auch die Aussage in einem Kommentar auf Instagram, dass „früher die Hippies auch ohne 4×4 bis nach Indien gereist sind“. Selbst fehlt mir die Erfahrung, doch ich habe entschieden, dass „Allrad“ für mich kein Ausschlusskriterium ist und ggf. einfach die Reiseroute entsprechend angepasst wird.

Ein weiterer Punkt, der mich zögern liess, mit dem ich auch heute noch nicht ganz ruhig bin und den ich mir deshalb auch irgendwie versuche schön zu reden, ist der nicht gerade geringe Spritverbrauch. Das Argument, dass es in der heutigen Wegwerfgesellschaft ja grundsätzlich auch ökologischer ist, auf ältere Modelle zurückzugreifen und dass ich ja sonst im Alltag elektrisch fahre, überzeugt mich selbst nicht wirklich. Hier werde ich sicherlich ein Auge darauf haben, wie hoch der Verbraucht tatsächlich ist und weiter suchen, welche Möglichkeiten der Kompensation es gibt.

Nach diesen Erwägungen und Abklärungen konnte ich den Bus besichtigen und Probe fahren. Dankenswerterweise, wurde ich dabei begleitet von einem ehemaligen Mechaniker, mit einem feinen Gespür und viel Erfahrung (vielen Dank!). Mit nur wenigen Roststellen und kleinen optischen Makel, ist der Bus in einem super Zustand. Beim hinteren Getriebe, war ein leises, nicht zuzuordnendes Heulen zu hören, was wohl aufgrund der offenen Flächen zusätzlich verstärkt wurde. Deshalb wird das Getriebeöl noch überprüft und ich werde dies sicherlich auf dem Schirm behalten. Ansonsten hat der Motor und die Technik alle Tests bestanden.

Ich musste mich wirklich konzentrieren um unvoreingenommen und zurückhaltend sachlich zu bleiben, denn um mich war es eigentlich schon vor der Besichtigung geschehen. Dieser Bus wollte irgendwie einfach zu uns.

Ver-rückt – ohh Ja!

Nach einer Nacht darüber schlafen und einigen inneren Dialogen zwischen Verstand und Herz, oder vielleicht auch zwischen Vernunft und Abenteuergeist ist die Entscheidung gefallen. Ja zum Bus und Ja zum Ausbau-Projekt.

Und viele in meinem Umfeld freuen sich mit. Vielen Dank!

unvernünftig sii im läbe isch s einzig vernünftig (Unvernünftig zu sein im Leben, ist das einzig Vernünftige.)

S.V

Und es fühlt sich aufregend, ver-rückt, irgendwie unvernünftig aber total lebendig an. Auch wenn es nur ein Bus ist und die Vision daraus ein gemütliches Schneckenhaus zu bauen, macht das Projekt schon jetzt soviel Vor-Freude und weckt soviel Begeisterung. Gepaart mit der Unsicherheit, ob wir dies wirklich hinbekommen, ob ich die technischen Hürden meistere oder mir für den Umbau tatsächlich genug Zeit nehmen kann. Doch ich freue mich auf die nächsten Schritte und neue Erkenntnisse in allen Bereichen.

Die meisten Dinge, die uns Vergnügen bereiten, sind unvernünftig.

Charles Baron de Montesquieu

Next Steps

Im Moment wird unser Bus noch Fit für die Motorfahrzeugkontrolle (MFK/ TÜV) gemacht. Deshalb nutze ich die Zeit um die ersten Schritte zu planen und mich möglichst gut zu informieren. In einem nächsten Beitrag werden wir unseren Bus noch etwas genauer vorstellen, bevor wir uns der Dämmung/ Isolierung annehmen.

Falls Dir dieser Beitrag gefallen hat, freue ich mich über einen Kommentar und bin gespannt, ob es anderen auch schon ähnlich ergangen ist.